Lebenslauf, Curriculum Vitae, CV
Der Lebenslauf wird grundsätzlich tabellarisch mit einem entsprechenden Textverarbeitungsprogramm verfasst. Die Zeiten, in denen ein handgeschriebener Lebenslauf quasi in Aufsatzform gefordert wurde, sind praktisch ausgestorben. Auch die Vorgehensweise, einen solchen Lebenslauf dem Graphologen (neudeutsch Grafologen) zum Zwecke der psychologischen Diagnostik des Bewerbers zu überlassen wird heute nur noch belächelt und (zum Glück) als pseudowissenschaftlich abgetan. Hinsichtlich der Gestaltung bieten sich Ihnen weit mehr Möglichkeiten als beim Anschreiben. Nur experimentieren Sie nicht mit vielen verschiedenen Schriftarten und -formen. Auch hier kommt es letztlich auf den Beruf an, inwieweit sich eine "buntere" oder "ausgefallenere" Präsentation Ihrer Daten empfehlen könnte.
Die Gratwanderung bleibt bestehen. Gelingt es mir, mich von den vielen Mitbewerbern rein vom Aufbau und Layout meiner Unterlagen abzusetzen? Wirke ich zu progressiv und revolutionär? Wie wird der Personaler, der Entscheider allgemein auf meine Präsentation reagieren?
1. Aufbau
Lange Zeit war es im deutschsprachigen Raum üblich, den Lebenslauf chronologisch aufzubauen, mittlerweile setzt sich jedoch immer mehr die amerikanische Variante durch, bei der umgekehrt chronologisch vorgegangen wird: nämlich das Aktuellste zuerst. Insbesondere Bewerbern, die mit einer Seite nicht auskommen, sei die umgekehrt chronologische Reihenfolge empfohlen, um aktuelle und besonders für die Stelle relevante Daten nicht erst auf der zweiten Seite zu präsentieren.
Junge Menschen, die neben der Ausbildung noch keinen oder gerade mal einen Arbeitgeber vorweisen können, haben naturgemäß noch «wenig Stoff» zu bieten. Neben den persönlichen Daten, Schule und Ausbildung gibt es einfach nicht die Menge an Daten. Hier kann getrost der übliche chronologische Aufbau beibehalten werden.
Es gibt keine vorgeschriebene Norm für Ihren Lebenslauf, grundsätzlich sollten Sie bei der Aufteilung das Gesamtbild nicht aus den Augen verlieren und bei den Seitenrändern einfach die empfohlenen Einstellungen wie beim Anschreiben verwenden. Bevor alles zu eng und «gedrungen» wirkt, weil Sie Ihre Stationen unbedingt auf einer Seite unterbringen wollen, überlegen Sie, ob es zum Zwecke einer besseren Übersicht und Lesbarkeit nicht besser ist, alles zu entzerren und auf zwei Seiten zu präsentieren. Grundsätzlich sollten Sie jedoch mit zwei Seiten auskommen. Für alles Weitere, dass Ihrer Meinung noch zu sagen wäre, empfiehlt sich die «dritte Seite». Diese dient dazu, Ihre Kernkompetenzen zu unterstreichen und alles Wichtige gebündelt auf den Punkt zu bringen und gegebenenfalls nähere Erläuterungen zu Tätigkeiten zu liefern, die im Lebenslauf keinen Platz fanden oder die Übersichtlichkeit gefährdeten.
Bei der Aufteilung verwenden Sie identische Abstände bei den Absätzen und arbeiten Sie mit Tabulatoren, um die Topics sauber untereinander zu listen. Im Grunde genommen handelt es sich zwar um Selbstverständlichkeiten, aber wir bekommen da immer wieder Abenteuerliches zu sehen. Das äußere Erscheinungsbild muss einfach perfekt sein. Im Computerzeitalter ist zumindest dies sehr einfach umzusetzen. Umso mehr gilt dies, wenn Sie den Computer bei der neuen Stelle bedienen müssen und die Textverarbeitung unter dem Topic «Besondere Fähigkeiten» als Ihre Stärke hervorheben. Das hat nichts mit überzogener Genauigkeit oder Pedanterie zu tun, sondern spiegelt die Professionalität und den Ehrgeiz wieder, mit dem Sie an «Ihre Bewerbung» gehen. Wie Sie an Ihre Bewerbung herangehen, so unterstellt man Ihnen auch Ihre generelle Arbeitseinstellung, wenn nicht absichtlich, so geschieht dies doch unbewusst und automatisch.
Machen Sie sich unbedingt mit der korrekten Rechtschreibung vertraut und/oder wenden Sie sich an jemanden, der sich damit auskennt, zwecks inhaltlicher und formaler Korrektur! Nichts ist peinlicher als mit freundlichen «Grüssen» (richtig wäre Grüßen) das Anschreiben zu beschließen oder etwa den «Standart» (richtig natürlich Standard) zu einer neuen Kunstform erheben zu wollen. Gleiches gilt bereits bei der Anschrift und der Strasse (richtig Straße). Das Wort «selbständig» darf nun auch «selbstständig» geschrieben werden. Jedoch sollten Sie sich für eine Form entscheiden und diese dann auch durchgängig anwenden. Auch die grobe Kenntnis der Regeln bezüglich Kommasetzung kann von Vorteil sein. Zumindest von einem Muttersprachler erwarte ich entsprechendes Wissen um seine Sprache. Wird bereits bei der Bewerbung mit gewisser Ignoranz vorgegangen, wird man Ihnen mit selbiger begegnen und viel Erfolg bei Ihren weiteren Bewerbungsbemühungen wünschen.
2. Inhalt
2.1 Persönliche Daten
Name und Wohnort gehören ebenso dazu wie eine Telefonnr. zwecks Erreichbarkeit als auch Geburtsdatum und Geburtsort sowie der Familienstand. Zumindest solange sich in Deutschland keine anonymen Lebensläufe als Standard durchsetzen können, sind diese genannten Daten üblich.
Die Staatsangehörigkeit ist dann angezeigt, wenn der neue Arbeitgeber nicht aus Ihrem Namen und insbesondere dem Geburtsort folgern kann, ob die deutsche Staatsangehörigkeit vorliegt. Helene Müller, geboren in Dortmund ist doch recht eindeutig im Gegensatz zu Maria Mendoza, geboren in Barcelona.
Wenn die Möglichkeit besteht, mit dem Gewinn nur weniger Zeilen den Lebenslauf «überschaubar» auf eine Seite zu bringen oder die maximale Anzahl von zwei Seiten nicht zu überschreiten, bietet sich auch eine Kopfzeile an. Wohnort und Telefon müssen dann nicht nochmals angeführt werden. Geburtsdatum und -ort sind auch leicht in einer Zeile abzubilden.
Max Muster • Beethovenstr. 55 • 44789 Entenhausen • Tel.: 01299-123498
Ähnlich verhält es sich mit der Konfession. Bewerben Sie sich als Altenpfleger in einem katholisch geführten Haus, wird man sich für Ihre Konfession interessieren. Das wirft, nebenbei bemerkt, die interessante Frage auf, wie es mit dem Antidiskriminierungsgesetz in kirchlich geführten Häusern aussieht. Hat eine Mutter, geschieden und (laut Steuerkarte) keine Eintragung bei der Konfession, die gleichen Chancen auf eine Stelle, wie Ihre verheiratete und der Kirche angehörende «Konkurrentin»? Der Beantwortung dieser Frage weichen wir an dieser Stelle gerne aus und überlassen dies Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser.
Bei den in der Regel links aufgelisteten Datumsangaben reicht die Angabe der Monate vor den Jahren aus. Also sähe das zum Beispiel so aus: 05/2005 - 08/2009. Auf die Angabe der Tage kann man vor allem der Lesbarkeit wegen gut verzichten. Bei Anwendung einer einheitlichen Schreibweise stehen Ihre Daten übersichtlich und klar untereinander. Der Bindestrich fällt je nach Vorgehensweise in Word beispielsweise unterschiedlich aus: a) -, b) —, darauf sollten Sie achten. Ebenfalls ist eine einheitliche Vorgehensweise bei der Angabe Ihrer Tätigkeiten angeraten: Tätigkeit, Firma, Ort.
Also zum Beispiel: Kaufmännischer Angestellter, Max Mustermann GmbH, Köln
Drucken Sie Ihre selbst verfassten Texte in jedem Fall aus, auch wenn Sie diese Online versenden werden. Auf dem Papier sieht man oft noch Fehler und Ungereimtheiten, die am Monitor bisher nicht auffielen.
2.2 Besondere Kenntnisse/Fähigkeiten
Hier empfiehlt es sich, individuell auf die neue Arbeitsstelle einzugehen und entsprechenden Bezug herzustellen. Es ist sinnvoll, zuvor eine Standortanalyse durchzuführen und sich auf seine Fähigkeiten, Stärken und Schwächen zu besinnen. Sie sollten Ihr «Produkt» schon ein wenig besser kennen, das Sie bewerben möchten.
2.3 Die berühmte Frage nach den Hobbys (nicht Hobbies)
Die Diskussionen gehen hier oft auseinander. Der größte Fehler ist meiner Meinung nach jener, pauschalierte Meinungen zu vertreten. Für eine umfassendere Klärung über das Für und Wider ist es notwendig, bereits ein wenig auf das Vorstellungsgespräch einzugehen.
Ganz grundsätzlich empfehle ich, die Hobbys zu nennen, wenn es Sie denn auch gibt und diese auch konkret benannt werden können. Eine Ausnahme bilden sämtliche Tätigkeiten, die vermuten lassen können, dass Sie mehrfach im Jahr als aktiver Fußballer beispielsweise mit Bänderriss oder gebrochenen Knochen ausfallen werden. Ich möchte grundsätzlich meine neuen Mitarbeiter kennen lernen und dazu zählen für mich auch deren Hobbys. Sie geben oft weit mehr Aufschluss über Ihre Person als Sie sich gemeinhin denken mögen.
Vorteilhaft ist die Nennung der Hobbys vor allem dann, wenn sich Positives für die neue Stelle ableiten lässt. Die Möglichkeit, im persönlichen Gespräch auf Ihre Interessen zu sprechen zu kommen, ist nicht gering zu schätzen, da Sie dann die Chance haben, ein Thema zu präsentieren, in welchem Sie sich kompetent und sicher fühlen.
Werden Sie möglichst konkret bei der Erwähnung Ihres Hobbys, also nicht einfach Lesen, sondern etwa Kriminalromane von X und Y, oder statt Modellbau z.B. Kunstflug mit paddellosen Helikoptern der 600er Klasse.
Fortsetzung folgt...