Die 5 Axiome des Paul Watzlawick
Paul Watzlawick wurde insbesondere im deutschsprachigen Raum durch seine Veröffentlichungen zur Kommunikationstheorie bekannt, die auf fünf pragmatischen Axiomen aufbaut, welche in jeder Situation mit kommunikativem Charakter gelten. Die Begriffe Kommunikation und Verhalten werden in seinem Buch «Menschliche Kommunikation» (siehe Literatur), das die verhaltensmäßige Wirkung der Kommunikation zum Thema hat, praktisch gleichbedeutend verwendet. Im 2. Kapitel (S.50-71) stellt Watzlawick die 5 pragmatischen Axiome vor, welche wir im Folgenden vorstellen und erläutern möchten.
1. Axiom
„Man kann nicht nicht kommunizieren.″
Das erste und bekannteste Axiom ist auch als metakommunikatives Axiom bekannt und zielt darauf ab, die Unmöglichkeit nicht zu kommunizieren hervorzuheben. Klar wird dies insbesondere dann, wenn man sich der Tatsache bewusst wird, dass Kommunikation weit mehr ist, als sich «nur verbal» zu äußern. Genauso wie Sie Ihr Verhalten, Ihre Körpersprache nicht abstellen und sich etwa vornehmen können, sich «nicht zu verhalten», genau so wenig können Sie Ihre Kommunikation abstellen. Bewusstes Schweigen Ihrerseits oder Ihre Entscheidung, keinerlei Handlung vollziehen zu wollen, hat ebenso einen Mitteilungscharakter für Ihre Mitmenschen, wie wenn Sie mit Worten mitteilen, dass Sie kein Interesse an einer Kommunikation hegen. Ihr Gegenüber wird in jedem Fall eine Reaktion auf Ihre Kommunikation, auf Ihr Verhalten zeigen.
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen beim Arzt im Wartezimmer, sprechen kein Wort und lesen in einer Zeitschrift, einem eigenen Buch, schauen zu Boden oder sehen sich Bilder an der Wand an. Sie schauen auf die Uhr, atmen tief durch, rutschen auf Ihrem Sitz hin und her, halten und begutachten Ihr schmerzendes Handgelenk. Sie sitzen aufrecht oder in weit zurückgelehnter Position, Sie schließen die Augen oder schauen häufiger andere Wartende neugierig an und verfolgen Gespräche zwischen diesen.
Was immer Sie auch tun oder nicht tun, erzeugt eine Reaktion, eine Meinung und Interpretation bei den Anwesenden im Raum. Ob diese Beteiligten mit ihrer Deutung richtig oder falsch liegen, ist sekundär. Allein über Ihr Verhalten teilen Sie anderen Menschen bereits sehr viel mit und aufgrund deren eigenen Erfahrungshorizonts und auch empathischen Bewusstseins werden die «Empfänger» auch unterschiedliche Ansätze in ihrer eigenen Interpretation aufweisen.
2. Axiom
„Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist.”
Ganz gleich, welche Information wir transportieren möchten, wir teilen immer auch etwas über das Beziehungsgefüge zum Empfänger unserer Nachricht mit und somit auch wie wir selbst uns in diesem Gefüge verstehen. Tonfall, Mimik und Gestik haben entscheidenden Anteil daran, wie wir von anderen Menschen wahrgenommen werden, ganz gleich, was wir sagen. Einer Studie zufolge sind nur 7% dessen was wir sagen verantwortlich dafür wie wir auf andere Menschen wirken. 55% macht unsere Körpersprache aus und 38% werden unserer Stimme zugeschrieben.
Auch das Mitte der 70er Jahre entwickelte Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun (siehe Glossar) greift diesen Beziehungsaspekt in der Kommunikation auf und führt diesen weiter aus.
3. Axiom
„Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt.”
Kommunikation lässt sich weniger als Kausalkette denn als ein kreisförmiger Ablauf verstehen, dessen Startpunkt subjektiv von den einzelnen Kommunikationsteilnehmern gesetzt und verstanden wird und in diesem Axiom als Interpunktion verstanden wird. Einigen sich zwei Teilnehmer in ihrer Kommunikation hinsichtlich Ursache und Wirkung und deuten denselben Sachverhalt einvernehmlich, können wir von einem Regelkreis sprechen, i.e. es liegt diesbezüglich ein gewinnender, gelungener Kommunikationsablauf vor. Die Grafik nebenan veranschaulicht einen solchen Ablauf, in welchem die Frau auf den Mann, welcher sich zurückzieht, mit Nörgeln reagiert und eben jener auf die Nörgelei mit seinem Rückzug antwortet. Wer letztlich damit bgeonnen hat, wird keiner der beiden sagen können, es aber ganz sicher unterschiedlich interpretieren.
4. Axiom
„Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten. Digitale Kommunikationen haben eine komplexe und vielseitige logische Syntax aber eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzulängliche Semantik. Analoge Kommunikationen hingegen besitzen dieses semantische Potential, ermangeln aber die für eindeutige Kommunikation erforderliche logische Syntax.″
Einfach auf den Punkt gebracht, ist digitale Kommunikation hier als das gesprochene oder auch geschriebene Wort zu verstehen, welches in seiner Syntax komplex und vielschichtig ist, wohingegen analoge Kommunikation als nonverbale Äußerung verstanden wird, welche einen hohen Interpretationsspielraum zulässt und eine eindeutige Definition somit sehr erschwert. Dies ist die Beziehungsebene in der Kommunikation, welche auch schon im 2. Axiom Erwähnung findet. Gewinnende Kommunikation wird insbesondere dann erreicht, sofern eine hohe Kongruenz zwischen digitalen und analogen Modalitäten erzielt werden kann und beide Partner eine Botschaft in gleicher Weise interpretieren.
5. Axiom
„Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht.″